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Ist Mineralwolle krebserzeugend?

Mineralwolle

Mineralische Dämmstoffe stellen mit über 50% den Hauptteil aller Dämmstoffe dar. Besonders bei der Dachdämmung, in Abseiten und in Ständerwänden wird Mineralwolle eingesetzt. Wenig bekannt sind die gesundheitlichen Riskien die mit Mineralwolle einhergehen. Insbesondere ältere Dämmungen vor 1995 aber auch einige aktuelle Produkte müssen als krebserregend eingestuft werden.

Woraus besteht Mineralwolle?

Mineralwolle (umgangssprachlich Dämmwolle) ist der Oberbegriff für faserige Dämmstoffe die aus Glas, Naturstein oder Hochofenschlacke hergestellt werden. Es werden entsprechend die Begriffe Glaswolle, Steinwolle und Schlackenwolle verwendet. Die Dämmwirkung entsteht durch den Einschluss ruhender Luft in den Zwischenräumen der Fasern.

Baubiologie: Gefährdung durch Mineralwolle

Bei der Herstellung von Mineralwolle entstehen mitunter sehr kleine Fasern mit einer typischen Größe von 4-6µm (Micrometer) und darunter. Objekte dieser Größe sind selbst durch professionelle Mikroskope kaum zu erkennen, sondern es müssen aufwendige baubiologische Verfahren wie z.B. die Rasterelektronenmikroskopie eingesetzt werden.

Sanierung von Mineralwolle

Im Alltag eines typischen Baubetriebes wird die Gefährdung oft nicht wahrgenommen. Dementsprechend sorglos wird mit mineralischen Dämmstoffen immer noch umgegangen. Es wird selbst bei einer hohen Konzentration keine gesundheitliche Einschränkung wahrgenommen. Nachweise späterer Erkrankungen sind deshalb in der Praxis nicht mehr auf eine Ursache rückführbar.

Objekte unter einer Größe von 10µm (Klasse PM10) können ungehindert in die Bronchien vordringen. Insbesondere Teilchen zwischen 0,5 bis 1 µm (Klasse PM2.5) dringen ungehindert bis in die empfindlichen Alveolen (Lungenbläschen) der Lunge vor. Hier sammeln sich die Teilchen ein Leben lang an, ohne dass bisher ein Abbaumechanismus bekannt ist.

Faserstoffe wie Asbest und Mineralwolle können eine direkte krebserzeugende Wirkung haben. Hier stehen chemische Prozesse im Vordergrund. Faserstoffe blockieren aber auch die Lungenreinigung durch Makrophagen (körpereigene Fresszellen des Immunsystems). Damit wird die Fähigkeit der Lunge herabgesetzt, sich gegen andere Gefahren wie z.B. Infektionen, Rauchen und radioaktiven Stoffen zu schützen. Faserstoffe können somit andere Krankheiten begünstigen.

Diese letztere indirekten Wirkungen von Faserstoffen ist immer noch wissenschaftlich umstritten. Die Wirkungsmechanismen und erste Untersuchungen sind aber so plausibel, dass sie nicht ignoriert werden sollten.

Geprüfte Mineralwolle ohne Krebsrisiko

Durch besondere Herstellungsverfahren können lungengängige Partikel vermieden werden. Dabei werden die Fasern der Mineralwolle beschichtet, so dass auch kleinste Fasern nicht mehr lungengängig sind.

Die krebserregende Wirkung ist seit 2002 in den deutschen Gesetzen zum Arbeitsschutz (TRGS 905 und TRGS 921) sowie in der Gefahrstoffverordnung (GefstoffV Nr. 7.1) verankert worden. Es gibt aber noch keinen europäischen oder gar weltweiten Standard, der das krebsrisiko bei Mineralwolle für den Verbraucher ausschließt. Es existieren nur die deutschen nationalen Regelungen, die den Einsatz krebserregender Mineralwolle allgemein ausschließt. Da aber keine europäische Regel existiert, ist vermutlich krebserregende Mineralwolle von ausländischen Herstellern immer noch erhältlich.

Nur Mineralwolle mit Gütezeichen einsetzen

Die meisten Gütesiegel sind nicht zutreffend oder beinhalten nicht eine Prüfung auf eine krebserregende Wirkung. So sind die Gütesiegel EU-Umweltzeichen (Blume), GISBAU, Natureplus, FSC, Emicode, GUT-Signet sowie das österreichisches Umweltzeichen nicht ausreichend.

Uns sind derzeit nur 2 Gütesiegel bekannt, die einer Kennzeichnung "frei von Krebsverdacht" entsprechen:

1. Umweltzeichen (Blauer Engel) RAL-UZ49

Es muss bei der Herstellung ein überwiegender Anteil an Altglas verwendet worden sein. Krebserregende Stoffe (siehe TRGS 905) sind ausgeschlossen. Mehr auf www.blauer-engel.de

2. "Erzeugnis aus Mineralwolle" Gütezeichen RAL-GZ388

Es wird die Einhaltung der GefstoffV Nr. 7.1 nachgewiesen, in der ein entsprechender Nachweis als Einstufung als "frei von Krebsverdacht" gefordert ist. Mehr auf www.mineralwolle.de

Verwendung von Mineralwolle

Mineralwolle ist weiterhin einer der Dämmstoffe mit den besten Materialeigenschaften überhaupt. In vielen Bereichen wie z.B. Brandschutz sind nur wenige alternativen vorhanden. Achten Sie deshalb auf:

  • Kaufen Sie nur Mineralwolle mit Umweltzeichen RAL-UZ49 oder Gütezeichen RAL-GZ388. Passen Sie Ihren Ausschreibungstext entsprechend an.
  • Achten Sie beim Einbau darauf, dass mittig im Raum auf der Mineral-Dämmschicht das Gütezeichen angebracht ist. So sparen Sie sich Ärger bei späteren Sanierungen.

Sanierung älterer Mineralwolle

Insbesondere Mineralwolle von vor 1995 ist als krebserregend einzustufen. Die gesundheitliche Gefährdung ist mit der von Asbest zu vergleichen. Dabei entsteht die Gefährdung aber nur, wenn die Dämmung entfernt wird oder starke Luftströmungen durch die Dämmung entstehen. Verbleibt die Mineralwolle im Bauteil, ist nach unserem Kenntnisstand keine gesundheitliche Gefährdung vorhanden. Dies gilt nicht für Staubansammlungen im Bauteil, die ein hohes potentielles Risiko darstellen.

Es gelten die Vorschriften zum Arbeitsschutz der TRGS 921, Expositionskategorie 2. Erhältlich ist sie in der Suchfunktion mit "TRGS 921" auf www.baua.de.

Bei einer Demontage von unter krebsverdacht stehender Mineralwolle gelten die Hauptpunkte:

  • Entfernung beweglicher Gegenstände.
  • Möglichst luftdichte Abdeckung nicht beweglicher Gegenstände mit geeigneter Folie.
  • Abtrennung des kontaminierten Bereiches vom restlichen Gebäude, z.B. mit geeigneter Folie.
  • Herstellung eines ausreichenden Luftwechsels, z.B. mit geeigneten Lüftungseinrichtungen und Filtern.
  • Vorsehen von Reinigungsmöglichkeiten (z.B. Dusche)
  • Schutzhandschuhe aus Leder, nitrilbeschichtet oder Einweg
  • Wir empfehlen Einwegkleidung
  • Atemmasken und Filter der Kategorie S2 oder besser, Augenmaske
  • Bei belastenden Arbeiten lokale Absaugung (z.B. mit Industriestaubsauger) der Kategorie M.
  • Abschließende Feuchtreinigung, z.B. mit Industriestaubsauger
  • Kein Abblasen von Stäuben mit Druckluft
  • Ausgebautes Material darf nicht geworfen werden, sondern muss sofort in geeigneten Säcken staubdicht verpackt werden.
  • Gemäß Europäischen Abfallkataloges ist Mineralwolle unter Abfallschlüsselnummer 170603 zu entsorgen. Es gelten landesspezifische Regelungen, die vorher erfragt werden sollten.
  • Alle am Bau beteiligten Personen sind zu informieren.
  • Organisatorisch ist die Zahl der beteiligten Personen zu minimieren.
  • Arbeitgeber müssen für Beschäftigte eine medizinische Vorsorgeuntersuchung anbieten.

Weitere Links und Referenzen: